Winterwandern ab Bever
- Ab der Haustür
- Val Bever bis Spinas, rund 4 km, gut 1 Std.
- Einkehr
- Gasthaus Spinas, im Winter geöffnet
- Schneeschuh
- rund ein Dutzend signalisierte Trails im Oberengadin
- Wildruhezone
- Val Bever 20.12.–30.4.: nur auf markierten Wegen
- Lawinenbulletin
- slf.ch, täglich um 17 Uhr
Der Winter gehört nicht nur den Skifahrern
Im Engadin sind die Wege im Winter nicht einfach verschneit, sie werden gepflegt. Maschinen walzen Winterwanderwege durch Wälder, über Hochebenen und entlang der Seen, Wegweiser in Rosa zeigen die Richtung. In den Tourendaten der Region stehen über 120 Abschnitte Winterwanderweg und rund ein Dutzend signalisierte Schneeschuhtrails. Man braucht dafür weder Skipass noch Übung – nur warme Schuhe und etwas Zeit.
Bever ist dafür ein besonders guter Ausgangspunkt. Das Dorf liegt flach im Talboden, der Bahnhof ist wenige Gehminuten von der Chesa Michel entfernt, und das Val Bever beginnt direkt hinter den letzten Häusern.
Ab der Haustür: das Val Bever bis Spinas
Der Klassiker vor unserer Tür führt vom Bahnhof Bever dem Beverin entlang ins Val Bever bis zum Weiler Spinas. Die Strecke misst rund 4 km, man ist gut eine Stunde unterwegs und steigt dabei nur etwa 125 Höhenmeter – von 1710 auf gut 1800 m. Der Weg ist von November bis April als Winterwanderweg angelegt.
Der Beverin ist übrigens etwas Besonderes: 2021 erhielt er als erster Fluss der Schweiz das Label «Gewässerperle PLUS» – ein 13,5 km langer, weitgehend unverbauter Wildbach. Im Winter hört man ihn unter dem Eis gurgeln.
In Spinas wartet das Gasthaus Spinas, das im Winter geöffnet ist (aktuelle Zeiten: Gasthaus Spinas). Wer den Rückweg nicht laufen möchte, nimmt ab der Station Spinas die Rhätische Bahn zurück nach Bever. Und wer gar nicht laufen will: Zuletzt fuhr im Winter auch ein Pferdeomnibus vom Bahnhof Bever nach Spinas und zurück. Ob, wann und zu welchem Preis er fährt, erfahren Sie vor Ort oder bei Engadin Tourismus.

Flach am Inn: Wege nach Samedan und La Punt
Wer es gemütlich mag oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, bleibt im Tal:
- Bever–La Punt auf dem Innuferweg: 4,3 km, praktisch ohne Steigung.
- Samedan–Bever auf dem Inndamm: 5,2 km, oder entlang der Bahnlinie: 3,5 km.
- Rundweg Samedan–Bever–Samedan: 6,8 km, knapp zwei Stunden, kaum Höhenmeter.
- Alp Muntatsch oberhalb von Samedan: 6,4 km, gut zwei Stunden, 415 Höhenmeter – die sportlichere Variante mit Weitblick, von November bis März einmal pro Woche gespurt.
Diese Wege eignen sich für einen Nachmittag, an dem man sich nach dem Mittagessen noch bewegen möchte. Die Sonne steht im Dezember früh tief – planen Sie den Rückweg vor 16 Uhr.
Die Klassiker in der Region
| Tour | Länge / Zeit | Anreise ab Bever |
|---|---|---|
| Philosophenweg, Muottas Muragl | 2,4 km, 45 Min. | Zug nach Punt Muragl, dann Standseilbahn |
| Muottas Muragl, Rundweg Rot | 4,9 km, 1½ Std. | wie oben |
| Muottas Muragl, Rundweg Schwarz | 6,4 km, 2 Std. | wie oben |
| Punt Muragl – Stazersee | 1,7 km | Zug nach Punt Muragl, rund 10 Min. |
| Stazersee – Pontresina | 5,2 km | zurück mit dem Zug ab Pontresina |
| Pontresina – Val Roseg (Hotel Roseggletscher) | rund 7 km, 1¾ Std., 230 Höhenmeter | Zug nach Pontresina, rund 15 Min. |
| Sils Maria – Val Fex (Hotel Fex) | 4,9 km | Bus nach Sils, rund 45 Min. |
| Diavolezza – Sass Queder | 1,5 km, 40 Min., bis 3064 m | Zug nach Bernina Diavolezza, dann Bahn |
Muottas Muragl ist der Liebling für einen ersten Wintertag: Die Standseilbahn fährt auch am Abend (Betriebszeiten: Engadin St. Moritz Mountains), der Philosophenweg ist kurz und aussichtsreich, und oben sieht man über die ganze Seenplatte. Das Val Roseg ist länger, aber flach genug für fast alle; am Ende steht das im Winter geöffnete Hotel Roseggletscher mit seinem bekannten Kuchenbuffet, und zurück fahren Pferdekutschen. Ganz oben am Berg ist der Weg zum Sass Queder auf der Diavolezza nur mit Schaufeln präpariert – gute Bergschuhe sind dort Pflicht.
Wer statt zu wandern lieber gleitet: Zwischen Madulain und Zuoz gibt es einen 3 km langen Eisweg für Schlittschuhe.

Schneeschuhtrails: markiert und ohne Führer machbar
Signalisierte Schneeschuhtrails sind rosa markiert, gesichert und für Einsteiger gedacht. Mietschneeschuhe gibt es in Sportgeschäften in Samedan, eine Station von Bever.
| Trail | Länge | Zeit / Höhenmeter |
|---|---|---|
| Muottas Muragl (ab Bergstation) | 3,1 km | 1½ Std., +145 m |
| Morteratsch (ab Bahnhof) | 2,8 km | 1½ Std., +120 m |
| Plauns, Pontresina–Morteratsch | 4,3 km | 1 Std., +95 m |
| Zuoz, Pizzet – Alp Es-cha Dadour | 2,4 km | 65 Min., +211 m |
| Sils, Muotta da Güvè | 5,1 km | 2½ Std., +304 m |
| Corvatsch Lake Trail (Furtschellas) | 3,9 km | 2 Std., +217 m |
| Alp Bondo (Bernina Diavolezza) | 4,6 km | 2 Std., +154 m |
| Maloja – Cavloc – Plan Canin | 8,3 km | über 3 Std., +284 m |
Direkt im Val Bever gibt es keinen signalisierten Schneeschuhtrail – und das hat einen guten Grund (siehe unten). Für einen besonderen Abend lohnt sich eine geführte Vollmond-Schneeschuhtour auf Muottas Muragl: am Abend, rund anderthalb Stunden, Schneeschuhe inklusive, angeboten von Januar bis März. Die Daten stehen im Veranstaltungskalender.

Wildruhezonen: warum man im Val Bever auf dem Weg bleibt
Im Winter leben Hirsche, Gämsen und Steinböcke von ihren Reserven. Jede Flucht durch tiefen Schnee kostet sie Energie, die sie bis zum Frühling nicht mehr zurückbekommen. Deshalb gibt es Wildruhezonen – und rund um Bever gleich mehrere:
- Val Bever (Wildruhezone Nr. 73) und Gravatscha–Müsellas (Nr. 33): vom 20. Dezember bis 30. April Zutrittsverbot abseits der signalisierten Wege und Loipen.
- Muntatsch/Clavadatsch und Muottas/Val Champagna/Tschainas: im gleichen Zeitraum nur auf den eingezeichneten Wegen.
Für Sie heisst das ganz einfach: Auf den markierten Winterwanderwegen und Loipen sind Sie richtig. Die aktuelle Karte finden Sie auf wildruhezonen.ch. Hunde gehören auf Winterwegen an die Leine; zwischen Samedan und Bever gibt es zusätzlich eine eigene Hundeloipe von 4,1 km.
Steinböcke sehen Sie trotzdem: In Pontresina gab es zuletzt eine kostenlose Beobachtungsstelle mit Fernrohr an der Sonnenterrasse Crast’ Ota, von der aus man die Tiere im Winter an den Südhängen findet.
Sicher unterwegs: Kälte, Licht und Lawinen
- Kälte: Das Oberengadin gehört zu den kältesten bewohnten Gegenden der Schweiz; im Januar 2021 wurden am Flugplatz Samedan −26,9 °C gemessen. Mehrere dünne Schichten, Mütze und Handschuhe zum Wechseln gehören in jeden Rucksack.
- Sonne: Die Höhensonne ist im Winter stark, der Schnee wirft sie zurück. Sonnenbrille und Sonnencreme auch bei Kälte.
- Glätte: Auf festgetretenen Wegen helfen Schuhspikes zum Überziehen.
- Lawinen: Winterwanderwege und Schneeschuhtrails sind gesichert. Wer davon abweicht, muss das Lawinenbulletin des SLF lesen (täglich um 17 Uhr auf slf.ch und in der App «White Risk») und die Ausrüstung kennen. Schneeschuhtouren abseits der Trails unternehmen Sie am besten mit einem Bergführer.
- Zeit: Im Dezember geht die Sonne um halb fünf unter, hinter den Bergen noch früher.
Nach dem Wandern
Zurück in Bever trocknen Schuhe und Jacken im Skiraum der Chesa Michel, im Schwedenofen oder Cheminée brennt das Holz aus dem Keller, und in der Küche wartet ein Fondue. Wer lieber mit Kufen unterwegs ist, findet im Beitrag Schlitteln Preda–Bergün die Schlittelwege der Region – auch den kurzen Weg Crasta Mora direkt oberhalb von Bever. Und für Langläufer beginnt die Loipe ebenfalls vor der Tür: Langlauf-Paradies vor der Haustür: das Val Bever.
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