St. Moritz ab Bever
- Anreise
- 12–15 Min. mit der Rhätischen Bahn
- Gratis
- Schiefer Turm, Forum Paracelsus, Seerundweg, Eisarena
- Museum
- Segantini-Museum, im Sommer und im Winter geöffnet
- Winter-Highlight
- White Turf an drei Februar-Sonntagen
- Zeiten und Preise
- direkt bei den Anbietern, Links im Text
Mehr als Glamour
Die meisten kennen St. Moritz aus Klatschspalten: Pelzmäntel, Luxushotels, Boutiquen an der Via Serlas. Das gibt es alles. Aber St. Moritz ist auch der Ort, an dem der Wintertourismus erfunden wurde, an dem vor 3400 Jahren Menschen eine Quelle fassten, und an dem jeden Winter eine Bobbahn aus Schnee neu gebaut wird. Wer mit offenen Augen durch das Dorf geht, findet mehr Geschichte als an vielen berühmteren Orten.
Von Bever aus ist St. Moritz ein Ausflug für einen halben Tag: Die Rhätische Bahn braucht 12 bis 15 Minuten, je nach Verbindung direkt oder mit Umsteigen in Samedan. Vom Bahnhof am See führen Ortsbus und die Rolltreppengalerie Serletta hinauf ins Dorf.
Die Sehenswürdigkeiten im Dorf
Der Schiefe Turm. Er ist der letzte Rest der Mauritiuskirche, die schon 1139 erwähnt wurde. Der Turm stammt aus dem Jahr 1570, ist 33 m hoch und neigt sich um rund 5,5 Grad – oben hängt er etwa 3 m über. Chor und Schiff wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen; der Turm blieb nach einer Volksbefragung 1897 stehen. Seither wurde er mehrmals gesichert, zuletzt 2005 und 2013. Die Glocken hängen seit 1890 nicht mehr darin. Anschauen kostet nichts.
Das Segantini-Museum. Der Bau von 1908 wurde eigens für das Alpentriptychon «Werden – Sein – Vergehen» von Giovanni Segantini errichtet. Der Maler starb 1899 in einer Hütte auf dem Schafberg, während er am Mittelbild arbeitete – die Segantinihütte kann man von Muottas Muragl aus erwandern. Das Museum ist im Sommer und im Winter geöffnet, im Spätherbst schliesst es für einige Wochen. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Segantini-Museum.
Das Museum Engiadinais. Ein Museum im Stil eines Engadinerhauses: getäferte Stuben, Möbel, Alltagsgegenstände aus mehreren Jahrhunderten. Öffnungszeiten und Eintritt wechseln mit der Saison, aktuell nachzulesen beim Museum Engiadinais. Wer unsere Arvenstuben kennt, sieht hier, woher sie kommen.
Das Mili Weber Haus. Die Künstlerin hat ihr ganzes Wohnhaus ausgemalt – Wände, Decken, Möbel. Ein stilles, ungewöhnliches Gesamtkunstwerk. Besuch nur mit Führung und Voranmeldung; Termine und Preise: Mili Weber Haus.

Die Heilquelle: 3400 Jahre Gastfreundschaft
Lange bevor Hotels gebaut wurden, kamen Menschen wegen des Wassers. Im Forum Paracelsus in St. Moritz Bad erzählt eine Ausstellung die Geschichte der eisenhaltigen Mauritiusquelle. Paracelsus lobte sie 1535. Viel älter ist die Quellfassung aus Lärchenstämmen, die 1853 entdeckt wurde: Die Jahrringe datieren sie auf 1411 v. Chr. In ihr lagen Bronzeschwerter, vermutlich Opfergaben. Sie gilt als eines der ältesten Zeugnisse des Tourismus im Alpenraum.
Beim Hochwasser im Juli 2024 wurde die Fassung verschoben und stand unter Wasser; die Archäologie Graubünden hat sie zur Restaurierung geborgen. Das Forum selbst kostet keinen Eintritt. Ob die Trinkbrunnen mit dem Heilwasser gerade in Betrieb sind, sehen Sie vor Ort.
Wo der Wintertourismus erfunden wurde
Im Herbst 1864 machte der Hotelier Johannes Badrutt englischen Sommergästen ein Angebot: Sie sollten im Winter wiederkommen, und wenn es ihnen nicht gefiele, übernehme er die Reisekosten. Sie kamen – und blieben bis Ostern. Das gilt als Beginn des Wintertourismus in den Alpen. Im Kulm Hotel brannte 1878 elektrisches Licht, das Badrutt von der Weltausstellung in Paris mitgebracht hatte. Es folgten der Curling Club (1883), der Cresta Run (1884) und der Golfplatz (1896). Zweimal fanden hier Olympische Winterspiele statt, 1928 und 1948.
Die Spuren sieht man noch: Das alte Olympiastadion steht im Park des Kulm (privat genutzt), die Olympiaschanze ist seit Jahren ausser Betrieb – einen Neubau lehnten die Stimmberechtigten 2016 ab. Die Sunny Bar im Kulm nennt sich die älteste Sportbar der Welt und ist nur im Winter geöffnet.
Winter: Eis, Pferde, Bob
Olympia-Bobbahn St. Moritz–Celerina. Seit 1904 in Betrieb und die älteste und einzige Natureisbahn der Welt: 1722 m lang, 19 Kurven, 130 m Höhenunterschied. Jedes Jahr ab Mitte November bauen Bahnarbeiter sie neu, aus rund 15 000 m³ Schnee und 10 000 m³ Wasser – deshalb ist keine Saison genau gleich. Gefahren wird im Hochwinter, meist ab Ende Dezember. Als Gast fahren Sie im Taxibob mit Pilot mit, bis 130 km/h. Auf der Bahn werden auch internationale Rennen ausgetragen. Aktuelle Daten und Preise: Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina.
Cresta Run. Die legendäre Skeletonbahn von 1884 ist 1214 m lang; gefahren wird jeden Morgen zwischen kurz vor Weihnachten und Anfang März. Die bekannteste Kurve heisst «Shuttlecock».
White Turf. Pferderennen auf dem gefrorenen St. Moritzersee, seit 1907. Gerannt wird an drei Sonntagen im Februar, mit Familientagen jeweils am Samstag davor; die Daten stehen bei White Turf. Dazu gehört das Skikjöring: Skifahrer lassen sich von galoppierenden Pferden ziehen.
Eisarena Ludains. Eislaufen ohne Eintritt, im Winter meist von Dezember bis in den Frühling täglich, an einzelnen Abenden auch länger. Schlittschuhe kann man vor Ort mieten. Aktuelle Zeiten und Preise: Eisarena Ludains.

Sommer: See, Schlucht und Berge
- Rund um den See: Der St. Moritzersee (1768 m) ist der kleinste der vier Oberengadiner Seen – ein flacher Spaziergang für einen Nachmittag. Auf dem See wird gesegelt und gepaddelt; der Segelclub vermietet Boote.
- Charnadüra-Schlucht: Vom Seeausfluss führt ein Weg 1,2 km durch die Innschlucht nach Celerina. Einen Wasserfall gibt es dort seit etwa 1970 nicht mehr – das Wasser fliesst heute durch einen Stollen zum Kraftwerk.
- Lej da Staz: Der Moorsee im Stazerwald erwärmt sich im Sommer bis auf rund 20 °C und ist einer der schönsten Badeplätze der Gegend. Er liegt zwischen St. Moritz, Celerina und Pontresina.
- Piz Nair (3057 m): Die Bahn von der Corviglia fährt im Sommer bis in den Herbst. Hinauf geht es mit der Standseilbahn ab dem Dorf, mit der Signalbahn ab St. Moritz Bad oder über Celerina–Marguns; Betriebszeiten: Engadin St. Moritz Mountains.
- Biken: Sieben Flow Trails an der Corviglia, vom leichten Marmotta (2,2 km) bis zum WM-Trail.
Kitesurfen findet übrigens nicht in St. Moritz statt, sondern auf dem Silvaplanersee, ein paar Kilometer weiter. Mehr zu den Seen im Beitrag Bergseen im Engadin.

Praktisches
- Parkieren: Wer mit dem Auto kommt, findet im Parkhaus Serletta 603 Plätze. Mit der Bahn ab Bever ist es einfacher.
- Rolltreppen: Die Rolltreppengalerie Serletta verbindet den See mit dem Dorf und ist rund um die Uhr in Betrieb.
- Ortsbus: verbindet Bahnhof, Dorf und St. Moritz Bad.
- Zeit: Für das Dorf mit Turm, Museum und Seerundweg reicht ein halber Tag. Mit Bergbahn oder Bob einen ganzen Tag einplanen.
Nach St. Moritz zurück nach Bever
Am Abend fahren Sie mit der Bahn in einer Viertelstunde zurück ins ruhige Bever – ein Kontrast, den viele unserer Gäste besonders schätzen. Warum Bever als Standort gut funktioniert, lesen Sie im Vergleich Bever, St. Moritz oder Pontresina, und die Anlässe des Jahres im Beitrag Das Engadin Monat für Monat.
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