Zwischensaison
- Herbst
- Meist Mitte Oktober bis Mitte Dezember
- Ruhigste Tage
- Meist Mitte November – kaum eine grosse Bergbahn in Betrieb
- Frühling
- Meist Mitte April bis Mitte Juni
- Immer offen
- Rhätische Bahn, Bus, Läden, Bogn Engiadina Scuol
- Letzte Pisten
- Hoch gelegene Gebiete wie Corvatsch und Diavolezza, oft bis weit in den April
Wenn das Engadin Luft holt
Zweimal im Jahr wird es im Oberengadin still. Im Herbst, wenn die Lärchen ihr Gold verloren haben und der erste Schnee noch nicht liegen bleibt, und im Frühling, wenn die Pisten schliessen und die Wiesen noch braun sind. Viele Hotels und Restaurants machen dann Betriebsferien, die Bergbahnen revidieren ihre Anlagen, und die Einheimischen fahren selbst in die Ferien.
Für Gäste, die Ruhe suchen, sind genau das oft die schönsten Wochen: leere Wanderwege, freie Sicht auf die Seen, und im Dorf hört man wieder den Brunnen. Damit Sie nicht vor verschlossenen Türen stehen, haben wir zusammengestellt, was in der Zwischensaison in der Regel offen ist – und wo Sie die aktuellen Daten finden.
Herbst: wann die Bahnen schliessen
Die meisten Sommerbahnen schliessen in der zweiten Oktoberhälfte. Der Winterbetrieb beginnt gestaffelt: Corvatsch und Corviglia meist Ende November, die übrigen grossen Gebiete bis kurz vor Weihnachten. Die genauen Daten des laufenden Jahres finden Sie in den Bergbahnen-Berichten von Engadin Tourismus.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens fährt Muottas Muragl in manchen Jahren nach dem Ende der Sommersaison noch etwas weiter, eingeschränkt und nur bei schönem Wetter. Und zweitens wechselt die Diavolezza oft fast nahtlos vom Sommer in einen frühen Winterbetrieb und legt danach im November eine Revisionspause ein. Die ruhigsten Tage des ganzen Jahres liegen deshalb meist um Mitte November: Dann fährt kaum eine der grossen Bergbahnen – ideal für Wanderungen im Tal und lange Abende.
Frühling: die letzten Pisten und die ersten Sommerbahnen
Die Skisaison endet gestaffelt: Die kleineren Gebiete schliessen meist im März, die grossen um Ostern oder Anfang April, und die hoch gelegenen wie Corvatsch und Diavolezza fahren in der Regel bis weit in den April hinein. Nach Ostern gehören sonnige Pisten und Sulzschnee fast nur noch den Einheimischen.
Die Sommerbahnen öffnen gestaffelt im Laufe des Juni – Muottas Muragl je nach Pfingsten meist als eine der ersten. Dazwischen liegen einige Wochen, in denen man im Engadin vor allem eines tut: im Tal wandern und zuschauen, wie der Frühling vom Talboden die Hänge hinaufsteigt.

Was offen bleibt – und was nicht
Immer da: Die Rhätische Bahn fährt das ganze Jahr im gewohnten Takt – auch über die Albulalinie nach Chur und über die Bernina nach Tirano. Busse fahren ebenfalls, nach dem Ende des Sommerfahrplans im Herbst allerdings etwas seltener. Lebensmittelläden in Samedan und St. Moritz bleiben offen; Samedan ist von Bever eine Bahnstation entfernt.
Wasser und Wärme:
- Das Ovaverva in St. Moritz ist nach der Sanierung seit Frühling 2026 wieder offen. In der Zwischensaison kann es Revisionswochen geben – ein Blick auf die Website des Bads lohnt sich.
- Das Bogn Engiadina in Scuol ist laut eigenen Angaben das ganze Jahr geöffnet – ein guter Plan für graue Novembertage.
Museen mit Pause (aktuelle Öffnungszeiten auf den Websites der Museen):
- Das Segantini-Museum in St. Moritz schliesst in beiden Zwischensaisons: meist von Ende Oktober bis Anfang Dezember und von Mitte April bis Mitte Mai.
- Das Museum Engiadinais in St. Moritz ist vor allem im Sommer offen; die Saison endet meist Mitte Oktober.
- Das Nietzsche-Haus in Sils schliesst in der Regel zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember.
Restaurants und Hotels: Viele Betriebe schliessen Anfang Oktober, andere halten bis in den November durch. Wer in einer Ferienwohnung wohnt, ist hier klar im Vorteil: Sie kochen selbst, wann Sie wollen, und reservieren nur für die Abende, an denen Sie ausgehen möchten. Einige Engadiner Orte führen jeweils eine Liste mit Betrieben, die im Herbst länger offen haben – ein Blick lohnt sich vor der Anreise.
Was man jetzt erlebt – und sonst nie
Im Oktober leuchten die Lärchen. Die Farbe hält meist zwei bis drei Wochen; mehr dazu im Beitrag Der goldene Lärchenherbst im Engadin. In manchen Jahren gibt es sogar geführte Fotowanderungen zum Thema – der Veranstaltungskalender weiss mehr.
Im November kommen die ersten Langläufer. Dank Snowfarming – Schnee, der über den Sommer unter Holzspänen gelagert wird – kann beim Camping St. Moritz schon Anfang November eine erste, kurze Loipe öffnen; dazu kommen erste Anlässe zum Saisonstart. Die Loipen direkt ab Bever folgen, sobald genug Naturschnee liegt; mehr im Beitrag Langlauf-Paradies vor der Haustür: das Val Bever.
Im Dezember und Januar frieren die Seen. Wenn es beim Zufrieren nicht schneit, entsteht Schwarzeis, so klar, dass man die Steine am Grund sieht. Der Silsersee friert meist zwischen Ende Dezember und Mitte Januar zu. Geprüft wird das Eis nur auf markierten Wegen, Loipen und Anlagen – daneben betreten Sie es immer auf eigene Gefahr. Der Stazersee ist im Winter ein Eislaufplatz.
Im Frühling erwacht direkt vor unserer Haustür etwas Seltenes: Die Inn-Auen zwischen Bever und La Punt wurden seit 2012 auf rund zwei Kilometern renaturiert. Hier brüten heute der Flussuferläufer, in der Schweiz stark gefährdet, und der Flussregenpfeifer. Von Mitte April bis Juli bittet die Vogelwarte deshalb, auf den Wegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen. Mit einem Feldstecher sehen Sie vom Weg aus trotzdem viel – am frühen Morgen am meisten.

Das Wetter: kälter, als man denkt, sonniger, als man fürchtet
Das Oberengadin ist eines der kältesten bewohnten Hochtäler der Schweiz; in Samedan wurden schon unter −36 °C gemessen. Die Normwerte 1991–2020 von Samedan, eine Bahnstation von Bever entfernt:
| Monat | Mittel | Tag / Nacht | Neuschnee |
|---|---|---|---|
| Oktober | 3,6 °C | 10,5 / −2,6 °C | 8 cm |
| November | −2,1 °C | 4,1 / −7,8 °C | 41 cm |
| Dezember | −7,0 °C | −0,7 / −13,4 °C | 50 cm |
| April | 1,9 °C | 7,9 / −4,3 °C | 24 cm |
| Mai | 6,7 °C | 12,9 / 0,1 °C | 6 cm |
| Juni | 10,5 °C | 17,0 / 3,2 °C | 1 cm |
Heisst praktisch: Im Oktober sind sonnige Wandertage mit Handschuhen am Morgen typisch, im November kann es jederzeit schneien, und im April liegt im Tal oft noch Schnee, während die Sonne schon kräftig wärmt. Warme Schichten gehören in beiden Zwischensaisons ins Gepäck.
Anlässe im Herbst
Auch wenn es ruhiger wird, ist nicht nichts los. Typisch für die Herbstwochen sind etwa diese Anlässe aus dem Veranstaltungskalender der Region – die genauen Termine wechseln jedes Jahr:
- Oktober: Führung durch die Molkerei Lataria Engiadinaisa in Bever, Metzgete auf Marguns, Stubete am See in Sils, Dampffahrt über die Albulalinie
- Herbst: Kastanienfestival im Bergell
- Oktober bis Dezember: Dorfführungen in Bever
- Ende November: Skitest auf der Corviglia
- Ende November und Dezember: Weihnachtsmärkte in La Punt, St. Moritz und Samedan
- Dezember: Adventsfenster in Bever
- Im Winter freitags: Snow Night am Corvatsch
Ob und wann diese Anlässe stattfinden, steht im Veranstaltungskalender von Engadin Tourismus.
Anreise: welche Pässe offen sind
Mit der Bahn erreichen Sie Bever das ganze Jahr ohne Einschränkung. Mit dem Auto bleiben Julier und Bernina ganzjährig befahrbar, Winterausrüstung ist Pflicht. Der Albulapass wird im Winter geschlossen und öffnet erst im späten Frühling. Bei geschlossenem Flüela bleibt der Autoverlad durch den Vereina. Den aktuellen Strassenzustand zeigt der Kanton auf strassen.gr.ch. Mehr im Beitrag Anreise ins Engadin.
Für wen die Zwischensaison ideal ist
Für alle, die wandern statt anstehen wollen. Für Paare und Einzelreisende, die Ruhe suchen. Für Fotografinnen, die Nebel über dem Inn und Raureif auf den Lärchen mögen. Und für alle, die im Engadin arbeiten möchten: In der Workation sind stille Wochen ein Geschenk. Wer länger als einen Monat bleiben möchte, fragt uns nach den Monatskonditionen der Chesa Michel.
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